Zur Zeit läuft bei der Steinbacher Wehr alles rund.
Der demografische Wandel bereitet dem Kommandanten jedoch Kopfzerbrechen. Er will auch in zehn Jahren noch auf eine starke Mannschaft setzen können und weiß, dass das ein ehrgeiziges Ziel ist.
Der Kommandant der Steinbacher Feuerwehr macht sich Sorgen. Sicher, die Wehr von Christian Schulz ist gut aufgestellt: Es gibt ein geräumiges Gerätehaus sowie einen modernen Fuhrpark. Die Rahmenbedingungen sind nahezu optimal, die Stimmung ist gut. Und vor allem: Man kann im Ernstfall auf viele Kameraden zurückgreifen.
Noch. Denn der demografische Wandel macht auch vor Steinbach am Wald nicht Halt. Die Geburtenzahlen gehen zurück, immer mehr Menschen müssen für ihren Arbeitsplatz den Landkreis verlassen. "Dazu kommt noch, dass Jugendliche heute in der Schule so einen Leistungsdruck und nebenbei ein so breit gefächertes Angebot an Freizeitaktivitäten haben, dass die Feuerwehr da eigentlich keinen Platz mehr hat", meint Schulz. Den jungen Menschen fehle einfach die Zeit, um regelmäßig an Übungen teilzunehmen. "In einer Hilfsorganisation wie der Feuerwehr muss man 24 Stunden an 365 Tagen seinen Mann stehen. Dieser Umstand macht es schwierig, junge Leute zu begeistern", sagt er.
Zur Zeit läuft bei der Steinbacher Wehr noch alles super. Es gibt 45 Aktive plus drei Jugendliche. Doch die Prognosen sind schlecht. Im Jahr 2009 lebten in der Großgemeinde 3410 Einwohner. Für 2021 wird ein Rückgang um 9,6 Prozent auf 3080 Einwohner vorhergesagt. "Wo soll das hinführen? Vielleicht irgendwann mal zu einer Pflichtfeuerwehr?", fragt sich der Kommandant angesichts dieser düsteren Aussichten. Auch sein Stellvertreter Matthias Werth ist sich sicher: "In zehn Jahren könnte es problematisch werden."
Die Steinbacher Wehr als Stützpunktfeuerwehr ist laut Werth vermehrt gefordert. Man müsse zu vielen überörtlichen Einsätzen ausrücken. "Aber vor allem durch die Industrie, die wir vor Ort haben, ist es erforderlich, dass wir eine starke Mannschaft haben", meint er.
Da ist guter Rat teuer. Ein Patentrezept hat das Führungsteam der Steinbacher Feuerwehr bisher nicht gefunden. Dennoch gibt es viele gute Ansätze. Zum Beispiel hat man die Zusammenarbeit mit den Gemeindeteil-Wehren intensiviert. Bei den regelmäßigen Tagen der offenen Tür zeigt die Wehr, wie umfangreich und interessant ihr Aufgabengebiet ist. "Jeder, der sich beispielsweise für Technik interessiert, ist bei uns an der richtigen Adresse. Aber auch Leute, die sich mehr im organisatorischen Bereich engagieren möchten, finden hier sicher ein Aufgabengebiet, das zu ihnen passt", wirbt Schulz. Auch die Übungen werden so gestaltet, dass keine Langeweile aufkommt. "Die Leute werden nach ihren Möglichkeiten eingeteilt, damit sie sich 90 Minuten lang wohlfühlen und gefordert sind", sagt er.
Seitens des Gemeinderates, in dem Christian Schulz Mitglied ist, habe man sich Gedanken gemacht, wie man die aktive Mannschaft unterstützen könnte. "Jeder Feuerwehrler in der gesamten Großgemeinde Steinbach am Wald bekommt bei jeder Teilnahme an einer Übung oder an einem Einsatz einen Liter Kraftstoff geschenkt. Als Dankeschön für die erbrachte Leistung", erklärt Schulz, der seit 1995 das Amt des Kommandanten inne hat und das in drei Jahren eigentlich abgeben möchte: "Dann habe ich das 18 Jahre lang gemacht. Das reicht. Ich will aber das Amt und die Mannschaft super übergeben - auf keinen Fall zu einem Zeitpunkt, an dem die Kurve nach unten zeigt. Deshalb setze ich jetzt alle Hebel in Bewegung, um dem entgegenzuwirken." Denn Christian Schulz weiß ganz genau: "Du musst einfach selber für eine Sache brennen, damit du andere anzünden kannst."
Wer Lust hat, sich bei der Feuerwehr Steinbach am Wald zu engagieren, kann jeden Samstag ab 13 Uhr am Gerätehaus vorbeischauen. Auf das Gerätehaus ist die Steinbacher Wehr besonders stolz: Die Fahrzeughalle bietet Platz für fünf Fahrzeugstellplätze mit Anhänger und Kleiderspinde für 64 Einsatzkräfte. In der Fahrzeughalle ist eine Fahrzeuggrube integriert. Der Halle gliedern sich Werkstatt, Lagerräume und die Atemschutzwerkstatt an. Außerdem gibt es ein Schlauchlager, einen Schlauchturm und eine Schlauchpflegehalle mit vollautomatischer Schlauchreinigungsanlage. Einsatzzentrale, Verwaltung, WC-Räume, Schulungs- und Bereitschaftsraum sind ebenfalls vorhanden.
Bericht: Neue Presse
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